Stolpersteine

Stolperstein-Verlegung für Wilhelm Friedrich Krauss und Robert Schimpf in der Riedstraße

In der Riedstraße werden am Freitag, 4. April, die Stolpersteine für Wilhelm Friedrich Krauss und Robert Schimpf verlegt.

Bisher wurden in Kehl 71 Stolpersteine ins Pflaster eingelassen – als Erinnerung an die Opfer der Nazi-Diktatur: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Opfer der Krankenmorde, Zeugen Jehovas, politisch Verfolgte und Menschen, die Widerstand geleistet haben. Nun kommen zwei weitere hinzu: In der Riedstraße werden bei einer feierlichen Gedenkveranstaltung am Freitag, 4. April, um 10.15 Uhr Stolpersteine vor den Hausnummern 28 und 40 verlegt – dort, wo Wilhelm Friedrich Krauss und Robert Schimpf ihren letzten Wohnsitz hatten.

Kritische Äußerungen

Wilhelm Friedrich Krauss wurde am 10. August 1909 in Kehl als Sohn des Maurermeisters Georg Krauss und seiner Frau Mina geboren. Er wuchs mit mehreren Geschwistern auf und erlernte wie sein Vater den Beruf des Maurers. Nach seiner Schulzeit arbeitete er zunächst in Donaueschingen, kehrte jedoch 1938 nach Kehl zurück. Während eines Arbeitsurlaubes, den er im Januar 1941 bei seiner Mutter in der Riedstraße 28 verbrachte, äußerte er sich in der Gastwirtschaft „Rebstock“ kritisch über seinen Wehrdienst und Offiziere der Wehrmacht. Er wurde denunziert, verhaftet, und ein Militärgericht verurteilte ihn zu neun Monaten Gefängnis, wandelte die Strafe jedoch in eine Frontbewährung um. Ab April 1942 diente er als Gefreiter im Infanterieregiment 474. Als er sich erneut kritisch über den Wehrdienst äußerte, wurde ein weiteres Verfahren eröffnet. Sein Gnadengesuch, in dem er sich auf seine verwitwete Mutter berief, wurde abgelehnt. Am 1. August 1942 wurde Wilhelm Friedrich Krauss wegen sogenannter „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Verurteilt wegen Landesverrats

Robert Schimpf wurde am 17. Juli 1906 in Straßburg als zweiter Sohn des Arbeiters Johann Schimpf und seiner Ehefrau Magdalena geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter 1917 wuchs er vermutlich bei Verwandten auf. Er besuchte die Volksschule in Straßburg und Kehl und absolvierte eine Schreinerlehre, musste aber in verschiedenen Berufen arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Sein Bruder Karl war aktives KPD-Mitglied. Dadurch soll er Kontakte zur kommunistischen Widerstandsbewegung gehabt. Am 19. November 1938 wurde er beim Grenzübertritt nach Straßburg mit der Skizze eines militärischen Bunkers im Gepäck verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, über mehrere Monate militärische Befestigungen für Frankreich ausspioniert zu haben. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn im Oktober 1939 wegen sogenannten „Landesverrats“ zum Tode. Sein Gnadengesuch wurde abgelehnt, und ihm wurde vier Tage vor der Hinrichtung mitgeteilt, dass er sich auf seinen Tod vorbereiten solle. Am 17. November 1939 wurde Robert Schimpf in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet.
 
Wie bei jeder Stolperstein-Verlegung in Kehl begleiten Schülerinnen und Schüler der Zeitzeugen-AG des Einstein-Gymnasiums die Gedenkfeier. In einer szenischen Lesung berichten sie ausführlich über das Leben der beiden NS-Opfer. Die Gedenkveranstaltung wird musikalisch von Lea Balzar und Lena Stalinski begleitet. Der Beginn der öffentlichen Veranstaltung ist um 10.15 Uhr in der Riedstraße 40.