Ehrungsabend der Feuerwehr

Einsatzrekord und mehr verdiente Feuerwehrleute denn je

Es war ein Abend der Superlative: 583 Einsätze hat die Kehler Feuerwehr 2024 geleistet – 49 mehr als im Vorjahr. Und noch nie konnten so viele Feuerwehrangehörige für besondere Leistungen über Jahrzehnte hinweg ausgezeichnet werden, wie am Ehrungsabend am Freitag (28. März) in der Gemeindehalle in Kork. So wurden 14 Feuerwehrmänner für 40 Jahre aktiven Dienst geehrt; Karl-Frieder Müll brachte es sogar auf 50 Jahre. Alle 15 erhielten das Feuerwehrehrenzeichen in Gold, eines davon in besonderer Ausführung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kehler Feuerwehr wurde mit Sandra Fien eine Frau zur Oberlöschmeisterin befördert. Eine besondere Neuerung durfte der zweite stellvertretende Kommandant, David Oster, verkünden: Mit den FeuerKEHLchen wird im Mai eine Kinderfeuerwehr gegründet.

Für 40 und sogar 50 Jahren aktiven Dienst in der Feuerwehr wurden geehrt (von links nach rechts): Helmut Reiß, Karl-Frieder Müll (50 Jahre), Klaus Haag, Ralf Roß, Andreas Karch, Axel Faulhaber, Hans-Peter König, Bernd Junker und Alexander Sirch. Mit auf dem Bild: Feuerwehrkommandant Viktor Liehr (ganz links), erster stellvertretender Kommandant Adrian Scherer (Dritter von links), David Oster (Zweiter von rechts und Oberbürgermeister Wolfram Britz (ganz rechts).
Nicht anwesend sein konnten Karlheinz Fimeyer, Holger Hummel, Marco Oberle, Frank Schäfer, Uwe Wiedemer und Thomas Zipfel, die ebenfalls seit 40 Jahren aktiven Feuerwehrdienst leisten.

Zählt man die Ehrungen für 15, 25, 40 und 50 Jahre aktiven Dienst in der Kehler Feuerwehr vom Freitagabend zusammen, so steht unter dem Strich die stolze Zahl von 905 Jahren Dienst an der Allgemeinheit, erklärte Feuerwehrkommandant Viktor Liehr den Feuerwehrangehörigen und ihren Ehrengästen in der Korker Halle – darunter Oberbürgermeister Wolfram Britz, Beigeordneter Thomas Wuttke, mehrere Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sowie Stadträtinnen und -räte. Letzteren dankte Viktor Liehr besonders für ihre Unterstützung der Feuerwehr auch in finanziell schwierigen Zeiten. So habe er das Budget zwar um 60 000 Euro kürzen müssen, dennoch wird die Feuerwehr neue Technik beschaffen können: Neben einem Fahrzeug für die Einsatzleitung zwei Löschfahrzeuge, einige leistungsstarke Wassersauger, eine Hochleistungspumpe sowie die lang erwarteten Digitalfunkgeräte, deren Einbau im Sommer erfolgen soll. Darüber hinaus wartet die Feuerwehr noch auf die Gerätewagen Wasser und Taucher, deren Auslieferung bereits 2024 erfolgen sollte. Denn auch wenn Sparen angesagt sei, dürfe sich die Feuerwehr keinen Rückschritt erlauben. Die Kehler Feuerwehr sei gut ausgestattet und sehr gut ausgebildet, „ihr seid eine starke Feuerwehr, auf die ich sehr stolz bin“, rief Viktor Liehr den Kameradinnen und Kameraden zu.

Für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurden ausgezeichnet (von links): Adrian Scherer, Christian Habelt, Fabian Fuß, Patrick Specht und Christian Findling – eingerahmt werden die Geehrten von Feuerwehrkommandant Viktor Liehr (ganz links), dem zweiten stellvertretenden Kommandanten David Oster und OB Wolfram Britz (am rechten Bildrand) Es fehlen: Stefan Hetzel und Andreas Örtel.

Dass der Wandel der Gesellschaft auch vor der Feuerwehr nicht Halt macht, thematisierte Viktor Liehr in seiner Eingangsrede in zweierlei Hinsicht: Zum einen wirke sich „die Vollkaskomentalität“ in Teilen der Einwohnerschaft auf die Feuerwehrarbeit aus: „Wir werden inzwischen wegen jedem Kleinkram gerufen“, zum anderen bildeten auch die Feuerwehrangehörigen den Querschnitt der Bevölkerung ab. Und das bedeute, dass „sich die Bereitschaft, das Ich zurückzustellen und anderen zu Hilfe zu eilen, verändert“. Noch bis vor wenigen Jahren seien gerade bei Einsätzen an Freitag- oder Samstagabenden sehr viele Feuerwehrleute gekommen, sei man – auch wenn man gerade mit der Freundin Essen war – aufgesprungen, wenn der Melder Alarm schlug. „Das verändert sich.“

Die Digitalisierung sei in der Feuerwehr schon lange angekommen, auch Künstliche Intelligenz (KI) werde in der Feuerwehrwelt bald Einzug halten, thematisierte Viktor Liehr eine weitere zu erwartende Veränderung. Diverse Forschungsprojekte mit Erkundungsdrohnen und zu Einsatzvorhersagen liefen bereits. Vielleicht erhalte man bald schon Lagebilder von der Einsatzstelle, bevor man sich überhaupt auf den Weg gemacht habe.

Seit 15 Jahren leisten Christian Egg, Marina Kaiser, Steven Nückles und David Oster aktiven Feuerwehrdienst. An ihrer Seite Feuerwehrkommandant Viktor Liehr und sein erster Stellvertreter Adrian Scherer (links außen) und OB Wolfram Britz (rechter Bildrand) Es fehlen: Stefan Barthel, Christoph Kruß und Matthias Zibold.

50 Jahre Feuerwehrdienst

In der Jugendfeuerwehr hat Karl-Frieder Müll vor einem halben Jahrhundert angefangen und auch den heutigen Feuerwehrkommandanten Viktor Liehr in dessen Anfangsjahren begleitet und ihm so manchen Tipp gegeben. Noch heute ist Karl-Frieder Müll in der Jugendfeuerwehr aktiv „und dort nicht wegzudenken“, erklärte Viktor Liehr. Für sein herausragendes Engagement wurde er mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg in Gold in besonderer Ausführung ausgezeichnet.

Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze

Für sein ebenfalls deutlich über das übliche Maß hinausgehende Engagement in der Feuerwehr erhielt Marco Kehret das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze angeheftet. Er ist als Maschinist und Zugführer im Ausrückbereich Goldscheuer/Hohnhurst aktiv und als Zugführer regelmäßig für den Probebetrieb verantwortlich. Seit zehn Jahren ist er auf Kreisebene Ausbilder für Sprechfunker. Außerdem war er mehrere Jahre als Jugendbetreuer tätig. Marco Kehret ist 1988 über die Jugendfeuerwehr in den Feuerwehrdienst gekommen und gehört seit 1993 zur aktiven Einsatzabteilung.

Auszeichnungen des Feuerwehrverbands erhielten am Freitagabend: Marco Kehret, Dominik Hoeltzel, Sonja Bohleber Hügel und Wolfram Bährel. Mit auf dem Foto sind Feuerwehrkommandant Viktor Liehr (links), sein zweiter und erster Stellvertreter David Oster und Adrian Scherer sowie Oberbürgermeister Wolfram Britz.

Ehrenmedaille in Silber

Mit der Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands Baden-Württemberg in Silber (die pro 1000 aktive Feuerwehrleute nur einmal vergeben wird) wurde Wolfram Bährel ausgezeichnet, der 1982 in der Jugendfeuerwehr angefangen hat. Ein Jahr später trat er in den aktiven Feuerwehrdienst im Ausrückbereich Kernstadt/Neumühl über. Seit 2004 gehört er zudem dem Ausrückbereich Kork/Odelshofen an. Von 1996 bis 2023 war er hauptamtlich im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst tätig. Von 2005 bis 2021 war Wolfram Bährel Abteilungskommandant des Ausrückbereichs Kork/Odelshofen und engagierte sich zusätzlich in zwei Feuerwehrausschüssen sowie als Ausbilder. Den Ausrückbereich Kernstadt/Neumühl unterstützt er noch heute als Maschinist auf dem deutsch-französischen Feuerlöschboot Europa 1.

Verdienste um die Jugendfeuerwehr

Mit der Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg in Silber wurden Sonja Bohleber-Hügel und Dominik Hoeltzel, beide aus dem Ausrückbereich Goldscheuer/Hohnhurst am Freitagabend ausgezeichnet. Beide sind neben dem aktiven Einsatzdienst noch als Betreuerin und Betreuer der Jugendfeuerwehr engagiert, bereiten Gruppenabende vor und unterstützen die Leitung. Sonja Bohleber-Hügel trat 1984 in die Jugendfeuer in Willstätt-Sand ein und wurde dort 1991 in die aktive Wehr übergeleitet. Seit 1993 ist sie Angehörige der Feuerwehr Kehl. Dominik Hoeltzel begann seine Feuerwehrlaufbahn 2005 bei der Jugendfeuerwehr Kehl und ist seit 2011 aktives Mitglied.

Kinderfeuerwehr

Neben der Jugendfeuerwehr wird es künftig noch die FeuerKEHLchen geben: In die Kinderfeuerwehr werden zunächst zehn sechs- bis neunjährige Kinder von Feuerwehrangehörigen aufgenommen, berichtete der stellvertretende Feuerwehrkommandant David Oster beim Ehrungsabend. Mit dieser kleinen Gruppe wolle man Erfahrungen sammeln. Wenn alles gut laufe und sich ausreichend Gruppenleiter fänden, strebe man die Öffnung der Gruppe auch für Kinder an, deren Eltern noch keinen Bezug zur Feuerwehr haben.

Dank des Oberbürgermeisters

Die Zugehörigkeit zur Feuerwehr setze sich nicht selten über Generationen fort – vom Opa bis zum Enkel, freute sich Oberbürgermeister Wolfram Britz über die bevorstehende Gründung der FeuerKEHLchen. Im Umstand, dass die Jugendfeuerwehr auf mehr als 80 Mitglieder angewachsen ist, sieht er gute Chance für die Nachwuchsgewinnung für den aktiven Feuerwehrdienst. Das Verhältnis zwischen Feuerwehr und Gemeinderat sei von Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen geprägt, nahm er Bezug auf die Aussagen von Feuerwehrkommandant Viktor Liehr zum Thema Werte. Der in Kehl früh eingeführte Feuerwehrbedarfsplan bringe Verlässlichkeit in die Planung; der Gemeinderat könne darauf vertrauen, dass die Feuerwehr nur das beantrage, was sie wirklich benötige.

Er dankte den Feuerwehrangehörigen für ihr Engagement, ihren Einsatz und ihre Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden: „Die Ehrungen für Sie sollten eigentlich jeden Tag stattfinden.“

Der Korker Ortsvorsteher Armin Lubberger hatte die Feuerwehrangehörigen zu Beginn des Abends in der Korker Gemeindehalle willkommen geheißen und ebenfalls die Bedeutung des zeitintensiven Ehrenamts hervorgehoben: „Feuerwehr ist nicht nur Beruf, sondern Berufung“, sagte er und nahm vorweg, was später in der Wortwolke als höchster Wert aufschien: „Ihr größter Schatz ist die verbindende Kameradschaft.“

Das Feuerwehrjahr 2024 in Zahlen

Mit 583 Einsätzen wurde der Rekord von 2023 (534 Einsätze) übertroffen, berichtete Kommandant Viktor Liehr. 266 Brände hat die Kehler Feuerwehr im vergangenen Jahr gelöscht – davon zwei Großbrände: Am 15. April brannte in Kittersburg eine Scheune nieder; die Flammen sprangen auf das benachbarte Wohngebäude über und machten es unbewohnbar. Am 16. Juli löschte die Feuerwehr den Brand in einer Filteranlage in einem Unternehmen in Bodersweier. Dazu kamen fünf mittelgroße Feuer und 64 Kleinbrände. 37-mal sind die Feuerwehrleute aufgrund von Fehlalarmen aus der Bevölkerung ausgerückt, 99-mal weil Brandmeldeanlagen auslösten, ohne dass jedoch ein Feuer ausgebrochen war. 59-mal wurde die Kehler Feuerwehr im Rahmen der sogenannten Überlandhilfe zu Einsatzstellen außerhalb von Kehl gerufen.

In 317 Fällen leistete die Feuerwehr technische Hilfe: 20-mal, weil Gefahrstoffe ausgelaufen waren, 116-mal musste jemand aus einer Gefahrenlage gerettet werden; in 29 Fällen waren Tiere der Grund für den Einsatz der Feuerwehrfrauen und -männer. 27-mal galt es eine Verunreinigung auf einer Straße zu beseitigen.

28 Menschen konnten die Feuerwehrangehörigen 2024 retten – 17 davon mit dem Hubrettungsfahrzeug, zwei mit dem hydraulischen Rettungsgerät und drei über einen baulichen Rettungsweg. Für 14 Personen kam jede Hilfe zu spät. Fünf Feuerwehrangehörige wurden 2024 im Einsatz verletzt.

Über Beförderungen durften sich freuen: Dominik Hildenbrand und Florian Findling (zum Löschmeister), Sandra Fien (Oberlöschmeisterin), Sebastian Constantin und Christian Schießl (zum Löschmeister), Philipp Durban (zum Oberlöschmeister), Daniel Semler (zum Brandmeister), Leopold Hurst (zum Löschmeister), Martin Kramer (zum Hauptlöschmeister) und Matthias Baumann (zum Hauptbrandmeister). Es gratulierten Feuerwehrkommandant Viktor Liehr (links), sowie seine Stellvertreter Adrian Scherer und David Oster sowie Oberbürgermeister Wolfram Britz (rechts).