Arbeitsgruppe befasst sich mit Müllvermeidung im Stadtgebiet

Wie können Bürgerinnen und Bürger dafür sensibilisiert werden, dass jede und jeder zu einer sauberen Stadt beitragen kann? Mit dieser und weiteren Fragen rund um das Thema „Müllvermeidung im Stadtgebiet“ haben sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Littering/Vermüllung“ bei ihrem Treffen am Montag, 5. Februar, beschäftigt. Dabei präsentierten Kora Herrmann, Leiterin des Bereichs Stadtplanung/Umwelt, und die städtische Umweltreferentin Ann-Margret Amui-Vedel auch innovative Ideen, die 2018 für ein ordentlicheres Stadtbild sorgen sollen.

„5,6 Billionen Zigaretten werden weltweit jedes Jahr geraucht, rund 80 Prozent davon werfen die Leute einfach achtlos weg“, erklärte Ann-Margret Amui-Vedel und betonte, dass die Zigarettenstummel zahlreiche Giftstoffe enthielten – schon ein einziger belaste bis zu 60 Liter Grundwasser. Die Hinterlassenschaften der Raucher seien vor allem auf öffentlichen Plätzen, vor Parkbänken, auf Spielplätzen oder in dem Bereich vor Kneipen und Bistros ein Problem, bestätigte Betriebshof-Leiter Peter Grün. Um mehr Menschen zu animieren, die Zigarettenkippen statt auf den Boden, in die dafür vorgesehenen Behälter zu werfen, schlug die Umweltreferentin vor, Mülleimer aufzustellen, die Spaß bei der Abfallentsorgung machen. Die britische Organisation Hubbub etwa habe Mülleimer entwickelt, die vorne mit einer Glasfront versehen und in zwei Hälften geteilt sind. Oben drüber stünde beispielsweise die Frage: Wer ist der beste Fußballer der Welt? Links könne man seinen Zigarettenstummel unter dem Namen Ronaldo einwerfen, rechts unter Messi. Egal ob es um den besten Fußballer, politische Themen oder Meinungsumfragen zur Stadtentwicklung ginge, bei diesen Mülleimern könne jeder abstimmen und gleichzeitig auf kreative Weise etwas für die Umwelt tun, befand Ann-Margret Amui-Vedel. Sobald die Abstimmung gelaufen sei, werde einfach eine neue Frage formuliert, die darauf warte, mit Zigarettenstummeln beantwortet zu werden. Insgesamt sei das Aufkommen dieser umweltschädlichen Hinterlassenschaften in Städten, wo solche Mülleimer bereits installiert wurden, um 46 Prozent zurückgegangen, berichtete die Umweltreferentin. „Das ist eine tolle Idee, auch für Bereiche wie die Tramhaltestelle“, bewertete die Geschäftsführerin der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungs-GmbH Fiona Härtel den Vorschlag. Sie plädierte für einen häufigen Fragewechsel, um keine Langeweile aufkommen zu lassen und dafür, die Abstimmungsergebnisse anschließend zu veröffentlichen.

Das Müll-Maskottchen soll künftig auf den Müllsammelfahrzeugen des Betriebshofs mit auffordernden Textnachrichten für ein saubereres Stadtbild werben.zoom

Ähnlich kreativ soll künftig ein Müll-Maskottchen Kehlerinnen und Kehler zur Abfallvermeidung aufrufen. Das Maskottchen werde im Laufe des Jahres auf die Müllsammelfahrzeuge des Betriebshofs gedruckt und mit auffordernden Textnachrichten für ein saubereres Stadtbild werben, kündigte Kora Herrmann an. Neben Ausstellungen – wie beispielsweise in der Mediathek – seien während der Europäischen Woche der Abfallvermeidung im November verschiedene Aktionen geplant, welche die Bürgerinnen und Bürger noch weiter für das Thema Abfallvermeidung sensibilisieren sollen, führte sie aus. Zudem beteilige sich die Stadt an der Ortenauer Kreisputzete – Schulen, Kindertageseinrichtungen, Vereine oder auch Privatpersonen, die gerne mitmachen würden, können sich beim städtischen Bereich Stadtplanung/Umwelt telefonisch unter 07851 88-1196 für die Putzaktion anmelden.
Mit dem Ziel, die Anzahl an weggeworfenen Einweg-Kaffeebechern zu reduzieren, habe Ende vergangenen Jahres unter dem Motto „Coffee to go nochemol" eine Kampagne des Eurodistricts begonnen, die sich für die Verwendung von Mehrwegbechern im Ortenaukreis einsetzt, erklärte Ann-Margret Amui-Vedel, welche die Stadt Kehl in der deutsch-französischen Arbeitsgruppe vertritt. Alle Kehler Bäckereien, der Bioladen „la vie en bio“ sowie die Kehler McDonald’s-Filiale hätten sich bereiterklärt, Heißgetränke künftig in Mehrwegbecher einzufüllen und wiesen ihre Gäste teilweise bereits mit Aufklebern und Thekenaufstellern auf die Auffüll-Aktion hin. Sie sei zuversichtlich, in den kommenden Monaten noch mehr Heißgetränke-Anbieter für das Projekt gewinnen zu können.
„Die Verwendung von Mehrweg- statt Einweggeschirr auf dem Kehler Wochenmarkt wurde erfolgreich eingeführt“, teilte Fiona Härtel den Anwesenden bei einem Rückblick auf die im vergangenen Jahr umgesetzten Projekte weiter mit – die Umstellung ist auf einen Vorschlag aus dem Treffen der Arbeitsgruppe im Januar 2017 zurückzuführen. Inzwischen servierten alle Essenstandsbetreiber auf dem Wochenmarkt ihre Gerichte auf Mehrweggeschirr, führte die Wirtschaftsförderin aus. Bei Bedarf stelle die Stadtverwaltung dafür alte Teller aus dem Bestand der Stadthalle zur Verfügung. Das Essen zum Mitnehmen werde zwar auch weiterhin in Einwegverpackungen verkauft, das Müllaufkommen sei insgesamt aber deutlich reduziert worden. In einem zweiten Schritt wolle sie auf die Beschicker zugehen und sie davon überzeugen, keine pfandfreien Flaschen mehr zu verkaufen. Stattdessen sollten sie bei ihrer Getränkeauswahl auf Mehrwegflaschen umsteigen. Dadurch könne das Aufkommen von Plastikmüll auf dem Wochenmarkt ebenfalls effektiv reduziert werden.

Die Arbeitsgruppe wurde auf Veranlassung von OB Toni Vetrano und unter Federführung des Bereichs Stadtplanung/Umwelt ins Leben gerufen. Für das nächste Treffen ist eine Führung durch die mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Kahlenberg geplant. Ziel dieser Anlage ist es, Müll so zu behandeln, dass die darin enthaltenen Stoffe keine oder eine möglichst geringe Beeinträchtigung des Lebens auf der Erde bewirken. Wer Interesse daran hat, sich an der Arbeitsgruppe zu beteiligen, kann sich bei Ann-Margret Amui-Vedel telefonisch unter 07851 88-1195 melden.

08.02.2018

 

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