Kehler Feuerwehr ist auf Einsätze im Zusammenhang mit der Tram gut vorbereitet

Ein Fußgänger ist vor einen Tramzug gelaufen und nun unter der Straßenbahn eingeklemmt, ein Notfall. Mehrere dutzende Tonnen Gewicht müssen bewegt werden, jede Sekunde zählt: Auf einen solchen Einsatz und weitere Szenarien, die durch den Betrieb der Tram auf Kehler Boden denkbar werden, hat sich die Kehler Feuerwehr in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitet.

„Alle Kehler Feuerwehrleute, die im Ausrückbereich 1, der Kehler Kernstadt, tätig sind, haben eine Ausbildung absolviert, die sie speziell für Einsätze im Zusammenhang mit einem Tramzug geschult hat,“ berichtet Viktor Liehr, Kommandant der Kehler Feuerwehr. Seit November 2016 haben Ausbilder der Straßburger Verkehrsbetriebe (CTS) fünf Kurse im Betriebshof der CTS angeboten. Die Ausbilder, die selbst in der Feuerwehr in Frankreich aktiv sind, erläuterten ihren deutschen Kollegen Einzelheiten im Umgang mit den drei Tram-Typen, die im Straßburger Straßenbahnnetz zum Einsatz kommen. Außerdem gab es zahlreiche praktische Übungen: So setzten sich die Feuerwehrleute zum Beispiel selbst ins Führerhaus einer Straßenbahn, um ein Gespür für die langen Bremswege zu bekommen.

Die Feuerwehrmänner spielten bei praktischen Übungen verschiedene Unfallszenarien durch.zoom

Obwohl auf der bis nach Kehl verlängerten Straßenbahnlinie D im Regelbetrieb nur der neueste Citadistyp zum Einsatz kommt, war die umfassende Ausbildung an allen Tramzug-Generationen wichtig, damit die Kehler Wehr in Notfällen ihre Straßburger Kollegen bei Einsätzen in Frankreich unterstützen kann. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass aufgrund von Reparaturarbeiten ausnahmsweise auch ältere Tram-Generationen auf Kehler Gebiet zum Einsatz kommen. Momentan wird noch eine Feuerwehr-Bedienungsanleitung für die drei verschiedenen Straßenbahnen entwickelt; mit ihrer Hilfe sollen im Notfall etwa schnell Straßenbahn-Türen von außen geöffnet werden können, sollte der Tramfahrer nicht mehr in der Lage sein, diese von innen zu entriegeln.

Mögliche Szenarien, auf welche die Kehler Feuerwehr sich in der Ausbildung vorbereitet hat, sind Personen- und Autounfälle im Zusammenhang mit der Tram: „Gerade in den ersten Jahren, in denen die Tram noch neu in Kehl ist, könnte es aufgrund von Unachtsamkeit zu Kollisionen zwischen dem Individualverkehr und den Tramzügen kommen“, sagt Viktor Liehr. Auch Fußgänger, die oft durch Kopfhörer oder Smartphones abgelenkt sind, seien mögliche Unfallopfer. „Eine Tram ist leiser als ein Fahrzeug im Straßenverkehr, und kann so leichter überhört und übersehen werden“, erläutert der Kehler Feuerwehrkommandant. Sollte jemand unter einer Straßenbahn eingeklemmt werden, zählt jede Sekunde.

Wenn jede Sekunde zählt muss die Ausstattung griffbereit daliegen - wie in der Kehler Feuerwache.zoom

Schon mit ihrer bisherigen Ausstattung hätte die Kehler Feuerwehr einen Tramzug anheben können, was jedoch mit einem sehr hohen Aufwand verbunden gewesen wäre. Die Feuerwehr besitzt Lufthebekissen, die zehn Tonnen und teilweise bis zu 20 Tonnen Gewicht anheben können. Eine Straßenbahn wiegt jedoch deutlich mehr als 20 Tonnen. Um bei Einsätzen schnell helfen zu können, entschloss sich die Feuerwehr daher, zwei weitere Lufthebekissen anzuschaffen, die jeweils bis zu 40 Tonnen Gewicht anheben können. Dieses neue Material wird in einer Haspel, einer Materialbox auf Rädern, aufbewahrt, die im Notfall auf das Heck eines Feuerwehrwagens aufgelagert und so rasch zum Einsatzort gebracht werden kann. In der Tram-Haspel der Kehler Feuerwehr befinden sich neben den Lufthebekissen außerdem Hydraulikheber sowie Holz-Unterlagen, die als Unterbaumaterial unter eine angehobene Tram geschoben werden können.
Auch bei Notfalleinsätzen auf der neuen, 290 Meter langen Trambrücke über den Rhein kann die Feuerwehr aktiv werden. Für Notfälle wurde eigens ein breiter Rettungsweg für Feuerwehrfahrzeuge integriert, der auch von Fußgängern- und Radfahrern genutzt werden kann. Da auf der Brücke aber nicht gewendet werden kann, wird diese Möglichkeit nur in schweren Notfällen genutzt werden; bevorzugt wird der Einsatz der Tram-Haspel. Diese Materialbox kann vom Feuerwehrfahrzeug aus von Hand auf die Brücke oder an den Einsatzort gezogen werden.
Muss die Feuerwehr mit einem Hubrettungsfahrzeug zu einem Brand ausrücken und dabei die Straßenbahnstrecke kreuzen, so müssen die Oberleitungen vom Strom getrennt werden. Das muss die CTS, auch bei Einsätzen auf deutschem Gebiet, von Straßburg aus einleiten. Außerdem müssen betroffene Oberleitungen vor Ort an den Einsatzstellen geerdet werden, auch nachdem sie vom Stromnetz genommen worden sind. Bis zur Freischaltung und Erdung muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Oberleitungen eingehalten werden. Nicht nur die Oberleitungen an den Fahrbahnmasten, sondern auch die seitlichen Abspannungen können im Weg sein, und müssen im Notfall von der Feuerwehr zertrennt werden.
Mit der Ausbildung in Straßburg und der zusätzlichen Materialbeschaffung hat sich die Kehler Feuerwehr intensiv auf die Ankunft der Tram in Kehl vorbereitet. „Wir freuen uns auf die Tram“, sagt Viktor Liehr. Und das nicht zuletzt, weil durch die Tramverbindung der Individualverkehr abnehmen werde, und so weniger Staus auf der vielbefahrenen B 28 und der Europabrücke entstünden. Auch für die Feuerwehr bedeutet das eine Erleichterung, um schneller und sicherer zu Einsatzorten gelangen zu können.

19.04.2017

 

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