Feuerwehr verzeichnet mehr Einsätze durch Rauchwarnmelderpflicht

Drei Uhr nachmittags auf der Kehler Feuerwache: Der Alarm geht los, jemand hat einen Wohnungsbrand gemeldet. Jetzt muss es schnell gehen: Die Feuerwehrmänner legen ihre Einsatzkleidung an, steigen in das Löschfahrzeug und fahren mit Sirenen zum Einsatzort. Dort deutet erst einmal nichts auf einen Brand hin. Ein Mehrfamilienhaus, nirgendwo sind Flammen zu sehen, aus keinem Fenster dringt Rauch. Der Hausbewohner, der die Feuerwehr alarmiert hat, zeigt den Einsatzkräften die Wohnung, in der es brennen soll – der Rauchwarnmelder hat Alarm geschlagen. Auf das Klingeln hin öffnet niemand die Tür. Die Feuerwehrmänner müssen davon ausgehen, dass sich eine hilflose Person in der Wohnung befindet und verschaffen sich Zutritt. Drinnen angekommen, wird weder Feuer noch Rauch festgestellt: Fehlalarm. Einsätze wie diese häufen sich, seit in Baden-Württemberg Ende 2014 die Rauchwarnmelderpflicht für Privathaushalte eingeführt wurde. Allerdings haben die Geräte in vielen Fällen auch schon Leben gerettet, weiß Viktor Liehr, Kommandant der Kehler Feuerwehr, zu berichten.

Von insgesamt 454 Einsätzen im vergangenen Jahr war ungefähr jeder siebte ein Fehlalarm im Zusammenhang mit einem Rauchmelder, sagt Viktor Liehr. 74 Fehlalarme habe die Feuerwehr insgesamt verzeichnet, bei 66 davon waren Brandmeldeanlagen oder Rauchwarnmelder die Ursache.
54 Mal musste die Feuerwehr ausrücken, weil eine automatische Brandmeldeanlage für falschen Alarm gesorgt hatte. Solche Anlagen sind unter anderem in Firmengebäuden, Schulen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen installiert und an das Alarmierungssystem der Feuerwache gekoppelt. In knapp 20 Prozent der Fälle waren aber auch private Rauchwarnmelder Auslöser von Feuerwehreinsätzen, die sich als Fehlalarm entpuppten. Die Geräte warnen durch einen lauten, schrillen Ton lediglich die Menschen, die sich im betroffenen Gebäude aufhalten. In solchen Fällen wird die Feuerwehr üblicherweise von Nachbarn alarmiert.

Hält die Einführung der Rauchwarnmelderpflicht in Privathaushalten für sehr sinnvoll: Feuerwehrkommandant Viktor Liehr.

Ursachen für die Fehlalarme gab es verschiedene. So kam es zum Beispiel mehrfach vor, dass ein Rauchmelder den Dampf, der vom Wasserkocher aufstieg, als Rauch registrierte. Ebenso häufig würden Fehlalarme durch technische Defekte ausgelöst, sagt Viktor Liehr. Oft seien Rauch- und Brandmelder nicht richtig gewartet, vor allem in Privathaushalten. Hier ist generell der Mieter für die regelmäßige jährliche Kontrolle zuständig; es sei denn, der Vermieter hat einen Wartungsvertrag mit entsprechenden Dienstleistern abgeschlossen. Für Firmen und öffentliche Einrichtungen gibt es sehr strikte Vorgaben: Dort müssen die automatischen Brandmeldeanlagen mindestens einmal im Jahr auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden und zusätzlich muss alle drei Monate eine Inspektion stattfinden. Bei dieser können Verschmutzungen und kleinere Beschädigungen an der Anlage festgestellt werden. Ebenso wird erfasst, ob sich die Umgebungsbedingungen wie die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit etwa durch einen Umbau oder eine andere Nutzung geändert haben.

Dank automatischer Brandmeldeanlagen wie dieser ist die Feuerwehr im Notfall sehr schnell zur Stelle – oft schlagen sie aber auch fälschlicherweise Alarm.zoom

Dass die Geräte regelmäßig gewartet und inspiziert werden, dürfte auch im Interesse der Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sein, denn für Einsätze der Feuerwehr, die sich als Fehlalarme herausstellen, müssen sie jeweils rund 1000 Euro zahlen. Weil die Technik der Brandmeldeanlagen immer besser werde, gehe die Zahl der Fehlalarme in Firmen aber ohnehin bereits zurück, berichtet Viktor Liehr. „Die Brandmeldeanlagen werden immer intelligenter“, sagt er. So könnten einige von ihnen zum Beispiel inzwischen Wasserdampf von Brandrauch unterscheiden.
In Privathaushalten steigt indes die Zahl der Fehlalarme, was Viktor Liehr auf die Einführung der Rauchwarnmelderpflicht zurückführt. Jedoch stellten sich die Geräte dort in 50 Prozent der Fälle auch als wahre Lebensretter heraus oder verhinderten zumindest, dass Häuser unbewohnbar wurden.
Die klassische Ursache für Rauchmelder-Einsätze sei Essen, das auf dem Herd vergessen wird: Die Bewohner verlassen ihr Haus, schalten die Herdplatte nicht aus, das Essen verkohlt. Meist muss die Feuerwehr in solchen Fällen lediglich die verbrannten Überreste ablöschen und ist so früh vor Ort, dass kein Sachschaden entsteht.

Können Leben retten: Rauchwarnmelder.

Manchmal läuft es aber nicht ganz so glimpflich ab. An Fastnacht habe die Feuerwehr beispielsweise einmal einem jungen Mann das Leben gerettet, der sich zwei Tiefkühlpizzen in den Ofen geschoben hatte und anschließend eingeschlafen war, erzählt Viktor Liehr. Der Kehler war in den frühen Morgenstunden von einer Party nach Hause gekommen und vermutlich deutlich alkoholisiert: Er bemerkte weder den Rauch, der irgendwann aus dem Ofen in die Wohnung stieg, noch konnte der Lärm des ausgelösten Rauchmelders ihn aus dem Schlaf reißen. Sein Glück: Der Nachbar hatte den Alarm gehört und die Feuerwehr gerufen. Die kam, weckte den jungen Mann und brachte ihn in Sicherheit.
Auch wenn reichlich kuriose Einsätze wie dieser die Ausnahme seien und die Hälfte der Anrufe wegen ausgelöster Rauchwarnmelder sich als Fehlalarme herausstellten, habe sich die Einführung der Rauchwarnmelder-Pflicht in Privathaushalten als sehr sinnvoll bewährt, findet Viktor Liehr: „Es konnten dadurch schon viele Leben gerettet werden.“ Ärger empfänden er und seine Kollegen nicht, wenn sie wegen eines Fehlalarmes ausrücken mussten, „eher eine Erleichterung, dass nichts Schlimmes passiert ist“.

20.03.2017

 

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