Wiederaufbau des Kunstwerks "transversal" hat begonnen

Zentimeter für Zentimeter senkt sich der 3,3 Tonnen schwere Granitblock auf das Betonfundament. Mit vier Gurten über einen Kran gesichert, schwebt der Steinquader zwischen den Arbeitern, die versuchen, ihn in seine exakte Position auf dem Grünstreifen der B 28 zu manövrieren. Am Freitag, 17. März, hat der Wiederaufbau des Kunstwerks transversal des Freiburger Künstlers Jochen Kitzbihler begonnen. Dafür müssen 24 Granitblöcke so aufeinandergesetzt werden, dass sich am Ende eine leichte Drehung der Stele ergibt. Der erste der Stein-Kolosse wurde am Freitag gegen 10 Uhr eingesetzt.

Im Zuge der Bauarbeiten für die grenzüberschreitende Tramlinie zwischen Straßburg und Kehl musste die zwölf Meter hohe Granitstele transversal im März 2016 an ihrem ursprünglichen Standort auf dem Bahnhofsvorplatz abgebaut werden. Ein Jahr später wird sie nun etwa 100 Meter näher an die Europabrücke gerückt, auf dem Mittelstreifen der B 28 auf Höhe der Bundespolizei, wieder aufgebaut. Durch ihre Position in Ufernähe des Rheins symbolisiert sie die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit. Zwölf der gefrästen Granitquader stammen aus einem Steinbruch im Nordschwarzwald, die anderen zwölf aus einem Steinbruch in den Vogesen, womit Kehl als Schnittstelle zwischen den Ländern dargestellt wird. Die deutschen und französischen Steinquader werden jeweils leicht versetzt aufeinander gebaut, um das Zusammenwachsen Straßburgs und Kehls abzubilden.

Oben ein Quader aus Schwarzwaldgranit, unten ein Steinblock aus Vogesengranit.zoom

Der erste Granitblock wird am Freitagmorgen per Kran über das bereits Anfang März installierte Stahlbetonrohr eingeschwebt, um dann darüber abgesenkt zu werden. „Bei diesem Quader handelt es sich um Vogesengranit“, erklärt Marcel Ohnesorge, Steinmetz- und Steinbildhauermeister der Firma Jogerst Steintechnologie mit Sitz in Oberkirch, welche die Arbeiten für die Versetzung des Kunstwerks transversal ausführt. Die Granitblöcke aus einem französischen Steinbruch unterscheiden sich von dem Schwarzwald-Granit durch ihre etwas dunklere Farbe und die grobkörnigere Struktur des Gesteins. Die einzelnen Steinblöcke haben eine Kantenlänge von 1,5 Metern und eine Stärke von 50 Zentimetern.
Zu Wochenbeginn wurde der neue Standort des Kunstwerks durch den Aufbau eines Gerüstes sowie eines Krans vorbereitet. Für den Transport der zwischengelagerten Granitquader sowie die Kranarbeiten ist die Firma Rendler Bau aus Offenburg zuständig. Die einzelnen Granitblöcke haben in der Mitte ein Loch und an den Kanten vier verschraubte Ringhaken. Über diese Haken werden die Granitquader mit Hilfe eines Krans über das Stahlbetonrohr gelenkt und vorsichtig Richtung Bodenfundament herabgelassen. Mehrmals wird der erste Granitblock nachjustiert, per Kran wieder angehoben und neu ausgerichtet. Mit einer meterlangen Wasserwaage wird am Fundament nachgemessen. Über eine Fernsteuerung lenkt ein Bauarbeiter, der auf dem Gerüst steht, welches das Stahlbetonrohr umgibt, den Kran. Die Kollegen auf der Erde kontrollieren die Position des Steinblocks und geben lautstark Anweisungen. Wenige Meter weiter kontrolliert die Bundespolizei auf der deutschen Seite des Rheins im Minutentakt Fahrzeuge, Fahrradfahrer, Fußgänger und Busse der grenzüberschreitenden Linie 21, die die Europabrücke passieren.

Vorsichtig wird der erste Vogesengranitquader per Kran in das Fundament eingepasst.zoom

„Der Aufbau des Kunstwerks transversal wird mit dem Aufeinandersetzen der Granitquader etwa vier Wochen dauern“, erläutert Marcel Ohnesorge am ersten Tag der Wiederrichtung des Kunstwerks. Für diesen Zeitraum muss die Linksabbiegespur der B28 nach der Europabrücke gesperrt bleiben.

Info:
Die Umsetzung des Kunstwerks kostet insgesamt rund 100 000 Euro. Das Urheberrecht schützt Kunstwerke vor Veränderungen ihrer Erscheinung durch den Eigentümer. Dazu zählt auch der Kontext des Werks, im Falle von „transversal“ also der Standort unmittelbar an der Grenze, der für die deutsch-französische Freundschaft steht. (§ 14 UrhG: „Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.“)

Bereits ab Montag, 13. März, wurde ein Kran sowie ein Gerüst errichtet, um die Granitstele transversal am neuen Standort aufbauen zu können.zoom

17.03.2017

 

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